Die Berliner Bäder heute

Berlins Bäderlandschaft ist so vielfältig wie keine andere in Europa. Von historischen, denkmalgeschützten Bädern über funktionale Schwimmhallen bis hin zu Leistungssportanlagen für Schwimm-Europa- und Weltmeisterschaften; und nicht zuletzt das legendäre Strandbad Wannsee - das größte Freibad Europas.

Ein Besuch der Berliner Bäder hat viele Gründe  - von der sportlichen Fitness über die Gesundheitsförderung bis hin zum Freizeitspaß mit Freunden und Familie. Mehr als 6 Millionen Besuche zählen die Berliner Bäder durchschnittlich pro Jahr für Sport, Spaß, Gesundheit und Entspannung. Unser Kernangebot Schwimmen wird ergänzt durch Saunaangebote,breit gefächertes Aquakurs-Angebot und unseren Schwimmunterricht für Kinder und Erwachsene.

Unser Netzwerk an 62 über die ganze Stadt verteilten Bädern bildet die Grundlage unserer Angebote von sportlichem Schwimmen über Freizeit- und Spaßbaden bis hin zu Gesundheit und Bewegung für ein optimales Versorgungsnetz mit einem vielseitigen Leistungsspektrum für die unterschiedlichen Interessen unserer Besucher und Besucherinnen.

Unser Ziel ist die Entwicklung attraktiver Angebote, die den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung tragen, damit eine Bäderlandschaft entsteht, die für alle Berliner und Berlinerinnen attraktiv ist.

Bäderkultur im Wandel der Zeit

Von Dr. Klaus Batz, Geschäftsführer European Waterpark Association
 
Das Baden hat eine jahrtausende alte Tradition. Schon früh wurde die heilende und entspannende Wirkung von warmem Wasser und Schwitzbädern erkannt. Bis aus dem therapeutischen Baden jedoch eine besondere Art der Freizeitgestaltung wurde, verging eine lange Zeit.

In der ersten Hoch-Zeit der europäischen Badekultur entstanden die aufwändig gebauten Thermen der Antike. Viele übertrafen in ihrer Dimension die heutigen Freizeitbäder und Thermen bei weitem.

Im religiös geprägten Mittelalter erfuhr die Bedeutung der „Badeanstalten“ dann einen Rückschlag. Nacktheit galt als sündig, die Badehäuser hatten einen schlechten Ruf. In der Zeit der Aufklärung mit ihrer Verwissenschaftlichung des Körperbewusstseins wurde der Akt der körperlichen Reinigung dann eher zur Pflicht, als ihn mit Erholung und Entspannung in Verbindung zu bringen. Die Lebensumstände ließen den Genuss für die Masse der Bevölkerung auch gar nicht zu.

Eine wirkliche Renaissance der Badekultur fand erst im 19. Jahrhundert statt, als das Bürgertum eine soziale Fürsorge für die Unterschicht entwickelte. Es wurden erstmals öffentliche Badeanstalten errichtet, in denen Wannen- und Brausebäder die hygienischen Verhältnisse der einfachen Bevölkerung verbessern sollten. Außerdem sollten diese Bäder der sportlichen Ertüchtigung der Bevölkerung dienen, weshalb sie auch mit (in der Regel nach Geschlechtern getrennten) Badehallen mit Schwimmbecken ausgestattet wurden.
 
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Schwimmen und Baden auch wieder mit Entspannung und Erholung in Verbindung gebracht. Einige „Kuranstalten“, „Licht-“ und „Luftbäder“ entstanden zu dieser Zeit.
 
Im weiteren Verlauf des 20 Jahrhunderts wurden öffentliche Bäder vor allem als Sportstätten angesehen. Mit der zunehmenden Ausstattung der Wohnungen mit eigenen Bädern trat der hygienische Zweck der öffentlichen Bäder in den Hintergrund.  Sie wurden vor allem für den Sport und für Wettkämpfe genutzt. Entsprechend sachlich-funktional war die Gestaltung. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts ein veränderter Blick auf die Bäderlandschaft stattfand und Bäder schließlich als Erlebniswelten für Spaß und Erholung thematisiert wurden.

Innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte fand schließlich ein erneuter Paradigmenwechsel statt, der deutlich in Richtung Gesundheitsvorsorge geht. Die Bereitschaft der Menschen in die Erhaltung ihrer Gesundheit zu investieren, wächst von Jahr zu Jahr. Gefragt sind nicht mehr funktionale Bäder zur reinen Daseinsvorsorge, sondern die Entwicklung neuer Zusatzangebote, um den veränderten Bedürfnissen der Bevölkerung zu entsprechen.